Geschichte des Geheimen Yangstils

An unserer Schule hast du die Möglichkeit, einen der ältesten und authentischsten aller Taichi Stile zu lernen. Yangmi Taichi ist direkt, schnörkellos und effizient. 

Schlichte Natürlichkeit trifft auf intensivste Energetik. Innere Kampfkunst und zeitlose daoistische Philosophie vereint zu einer faszinierenden Lebenskunst.

In diesem Beitrag erfährst du mehr über diesen einzigartigen Stil und seine Geschichte.

Geschichte des Geheimen Yangstils

Yang Luchan

Während einer der turbulentesten Zeiten in Chinas langer Geschichte, als sich das Ende der Kaiserzeit allmählich abzeichnete, machte ein Kungfu Meister und sein ungewöhnlicher Kampfstil von sich reden. Sein Name war Yang Luchan, besser bekannt als Yang Wudi (“Yang ohne Gegner”).

Wie damals üblich, reiste er im ganzen Land umher und forderte zahllose bekannte und weniger bekannte Kämpfer heraus. Niemand konnte ihn bezwingen. Und was noch bemerkenswerter ist, soll er alle Gegner besiegt haben, ohne auch nur einen einzigen zu verletzen.

Er wurde derart berühmt, dass er schliesslich sogar zum Ausbildner der kaiserlichen Garden berufen worden sei. Dies ist freilich alles Stoff von Legenden und wir wissen heute nicht, wieviel davon wahr ist. Was wir jedoch mit einiger Sicherheit sagen können: Yang Luchan war ein angesehener Kungfu Meister, zu dessen Schülern auch hochrangige Aristokraten zählten.

Ebenfalls unklar ist, woher er seine Kampfkunst hatte. Viele Geschichten deuten darauf hin, dass er ursprünglich das Kungfu des Chen Clans gelernt hatte, welches wiederum auf General Qi Jiguang zurückgeht. Yang Luchan entwickelte daraus jedoch ein völlig neue Art von Kungfu.

 

Ein neuer Name: Taichi (Taiji Quan)

Vermutlich waren es die gebildeten Aristokraten, denen es zuerst auffiel, dass Yangs ungewöhnliche Kampfkunst auf den daoistischen Prinzipien und insbesondere den Gesetzmässigkeiten der Yin-Yang Lehre beruhte. Folglich nannten sie seinen Stil “Taiji Quan”.

In diesem Sinne ist Yang Luchan der eigentliche Erfinder und Urvater des Taichi. Und mit Ausnahme des Chenstils gehen praktisch alle Taichi Stile auf ihn zurück.

Yang Luchan selbst entwickelte nicht nur ein, sondern zwei komplette Taichi Systeme. Das erste Taichi System, welches ihn im ganzen Land berühmt und zu einem der grössten Kungfu Meister aller Zeiten machte, ist unser Yangmi Taichi.

Yangmi ist die Abkürzung für den etwas umständlichen Namen “Yangjia Michuan Taijiquan”: wörtlich “die geheim überlieferte Taichi Kampfkunst der Familie Yang” oder kurz: der Geheime Yangstil.

 

Yang Luchan täuscht den Kaiser

Yang Luchan lebte zur Zeit der Qing Dynastie. Die Qing waren Manchus, welche zuvor das chinesische Reich erobert hatten. Yang war jedoch ein Han Chinese und betrachtete die Manchus als seine Feinde.

Als Yang Luchans wachsende Berühmtheit dazu führte, dass er von der kaiserlichen Regierung als Kungfu Meister engagiert wurde, stand er vor einem gefährlichen Dilemma. Einerseits konnte er die Einladung der Regierung unmöglich ablehnen, ohne sich und seinen Clan zu gefährden. Andererseits wollte er auch nicht, dass seine geniale Kampfkunst in die Hände des Feindes fällt.

Also entschied er sich, einen zweiten Taichi Stil zu entwickeln, den er selbst seinen Feinden geben konnte. Dieser zweite Stil ist nicht nur der Vorläufer von den zahlreichen Varianten, welche heute den (“öffentlichen”) Yangstil ausmachen, sondern auch der meisten anderen klassischen und modernen Taichi Stile.

 

Die geheime Überlieferung

Yang Luchan wollte um jeden Preis verhindern, dass sein Trick aufflog. Daher musste sein erster Taichi Stil absolut geheim bleiben. So unterrichteten er und seine Söhne nur immer den zweiten, öffentlichen Stil. Der erste Stil (Yangmi) wurde indes nur immer an einen einzigen Schüler pro Generation weitergegeben.

Yang Luchan gab ihn an seinen jüngsten Sohn, Yang Jianhou, weiter. Dieser entschied sich gegen seine eigenen Söhne als Träger der Geheimlehre und wählte stattdessen einen Schüler seines Sohnes: Zhang Qinlin.

Zhang Qinlin gab den Geheimen Yangstil zuerst an Su Qigeng weiter. Dieser starb jedoch während dem Sino-japanischen Krieg durch eine Bombe. Also suchte Zhang Qinlin nach einem neuen Linienhalter und entschied sich schliesslich für Wang Yannian.

 

Das Geheimnis wird gelüftet

Zhang forderte seinen Schüler Wang Yannian dazu auf, mit der Tradition der geheimen Überlieferung an nur einen einzigen Schüler zu brechen und stattdessen den Geheimen Yangstil von nun an öffentlich zu lehren.

Grund dafür waren zweifelsfrei die Erfahrung mit dem plötzlichen Tod seines Schülers Su Qigeng und die Einsicht, dass sich die Zeiten soweit geändert hatten, dass ein Festhalten an der geheimen Überlieferung weder nötig noch sinnvoll war (das Kaisertum war ja längst Geschichte).

Nach dem Sieg der Kommunisten in China ging Wang Yannian nach Taiwan ins Exil. Von dort aus verbreitete er während fast sechs Jahrzehnten die Kunst des Yangmi Taichi auf der ganzen Welt (von 1950 bis zu seinem Tod 2008). Er war einer der grössten Taichi Meister des 20. Jahrhunderts.

Seither wird das Yangmi Taichi weltweit von seinen Schülern und deren Schülern weiter praktiziert.