Literaturliste: Daoistische Klassiker

Literaturliste: Daoistische Klassiker

Wer Taichi macht, braucht noch lange kein Daoist zu werden. Wenn man sich jedoch vertieft mit dieser Kunst beschäftigen möchte, dann kommt man nicht umhin, sich zumindest mit der daoistischen Philosophie und Weltsicht auseinander zu setzen und sich so ein Grundwissen anzueignen.

Ein guter Ausgangspunkt bilden dabei die zwei ganz grossen Klassiker des Daoismus: Das Daodejing und das Zhuangzi. Es gibt natürlich noch viele andere lesenswerte klassische Texte. Aber diese zwei bilden gewissermassen die Grundlage des Daoismus. Als dritten Text empfehle ich auch noch das Liezi.

Gerade vom wohl wichtigsten Werk, dem Daodejing, gibt es unzählige Übersetzungen. Das Buch gilt gar als der am zweithäufigsten übersetzte Text überhaupt (nur die Bibel wurde häufiger übersetzt). Viele dieser Übersetzungen sind jedoch mehr schlecht als recht. Dies gilt leider insbesondere auch für die im deutschsprachigen Raum weit verbreiteten Übersetzungen des christlichen Missionars Richard Wilhelm.

Nachfolgend findest du eine Liste mit Übersetzungen, welche zu meinen persönlichen Favoriten gehören.

Daodejing

Das Daodejing ist die älteste und bekannteste Schrift des Daoismus und gehört zweifelsfrei zu den wichtigsten Texten der Weltliteratur. Der Name “Daodejing” lässt sich als Klassiker (jing) vom “Weg” (dao) und seiner Wirkung oder Tugend (de) übersetzen. Als Author gilt der legendäre Weise Laozi, ein angeblicher Zeitgenosse des Konfuzius. Historisch dürfte diese Sammlung von kurzen Sprüchen wohl eher auf mehrere Quellen zurückgehen. Das Daodejing ist ein faszinierendes Büchlein, welches den philosophischen Kern des Daoismus und folglich auch vom Taichi bildet.

 

Mitchell Daodejing“Tao Te Ching – A New English Version, Pocket Edition” von Stephen Mitchell (Übers.), Harper Perennial, NY (englisch). Hier gefällt mir nicht nur die kontemporäre englische Übersetzung, sondern auch das handliche Format des Buches. Mein persönliches Lieblingsbuch schlechthin.

 

Taoteking“Tao Te King – Eine zeitgemässe Version für westliche Leser” von Stephen Mitchell und Peter Kobbe (Übers.), Goldmann Verlag, München 2003 (deutsch). Dies ist eine deutsche Übersetzung von der oben genannten Mitchell Übersetzung. Nicht schlecht. Aber nicht ganz so toll wie das englische “Original”.

 

Simon Daodejing“Daodejing – Das Buch vom Weg und seiner Wirkung” von Rainald Simon (Übers.), Reclam, Stuttgart 2009 (chin. Hanzi & Pinyin, deutsch). Diese deutsche Übersetzung ist eher für den wissenschaftlichen Gebrauch oder für diejenigen, die es sehr genau wissen wollen. Das Buch kommt komplett mit chinesischem Originaltext (Schriftzeichen und Pinyin) sowie mit Kommentar und Quervergleichen mit anderen Übersetzungen. Sehr empfehlenswert, jedoch nicht für den Alltagsgebrauch.

 

Zhuangzi

Das Zhuangzi ist das zweitwichtigste Buch des Daoismus. Der Text wurde wahrscheinlich im 3. Jahrhundert v.u.Z. verfasst und ist nach dem Philosophen Zhuang Zhou benannt, auf den zumindest die ersten 7 Kapitel des Textes zurückgehen dürften. Das Zhuangzi ist keine trockene philosophische Abhandlung, sondern vielmehr eine bunte Sammlung von teils sehr kuriosen Geschichten. Und obwohl es sich stilistisch komplett von ihm unterscheidet, baut es auf den Ideen des Daodejing auf und entwickelt sie weiter. Primär geht es darum, wie man inmitten des normalen Alltags ein Leben von natürlicher und zugleich ekstatischer Freiheit leben kann. Mit seinen Ideen und Konzepten hatte das Zhuangzi auch einen grossen Einfluss auf die Entwicklung des Zen Buddhismus.

 

Palmer Zhuangzi“The Book of Chuang Tzu” von Martin Palmer (Übers.), Penguin, London 2006 (englisch).

 

 

Mair Zhuangzi“Wandering on the Way – Early Daoist Tales and Parables of Chuang Tzu” von Victor H. Mair (Übers.), University of Hawai’i Press, Honolulu 1994 (englisch). Nebst einer gut lesbaren englischen Übersetzung bietet dieses Buch auch eine hilfreiche Einführung mit viel Hintergrundwissen sowie ein nützliches Glossar.

 

Schuhmacher Zhuangzi“Zhuangzi – Das Buch der Spontaneität – Über den Nutzen der Nutzlosigkeit und die Kultur der Langsamkeit” von Stephan Schuhmacher (Übers.) und Victor H. Mair, Windpferd, Oberstdorf 2013 (deutsch). Hierbei handelt es sich um eine deutsche Übersetzung des oben genannten englischen Buches von Victor H. Mair, inklusive Einführung und Glossar.

 

Liezi

Das “Buch von Meister Lie” geht auf den  Philosophen Liezi zurück, der etwa um die gleiche Zeit wie Zhuang Zhou gelebt haben soll. Wie auch bei den anderen Klassikern, fehlt uns auch hier der Originaltext. Die bis heute überlieferten Versionen dürften auf das zweite Jahrhundert zurückgehen und zeigen bereits erste Einflüsse des Buddhismus. Das Liezi baut auf den Geschichten und den Ideen des Zhuangzi und des Daodejing auf. Somit steht die Philosophie des Liezi einerseits in der Tradition des klassischen Daoismus. Andererseits geht es hier in eine deutlich andere Richtung als beispielsweise noch bei Laozi. Stand bei Laozi noch eine Art zurückgezogener Quietismus im Vordergrund, so trägt das Liezi schon stark hedonistische Züge. Somit zeigt sich hier auch, dass selbst der klassische Daoismus keine einheitliche philosophische Bewegung war, sondern viele, zum Teil sehr unterschiedliche Strömungen beinhaltete.

 

Wong Liezi“Lieh-Tzu – A Taoist Guide to Practical Living” von Eva Wong (Übers.), Shambhala, Boston & London 2001 (englisch). Eine sehr gut lesbare englische Übersetzung für die Praxis.